Die "heilige Familie" von Nazareth bietet im Lesejahr C nicht diesen idyllischen Anblick, wie ihn viele vielleicht erwarten würden. Die ganze Szene ist noch nicht einmal eine, welche das häusliche Glück zeigt, so wie wir es während der Festtage erleben durften. Es ist eine Familie auf Wanderschaft mit einer großen Menge anderer Pilger. Wohin führt sie, diese Pilgerreise? Hin zum Tempel, auf der Suche nach jener "Anwesenheit", jenem was die Menschen aller Zeiten und aller Religionen immer wieder ankündigten als Erfülltheit, als Vollkommenheit (westliche Religionen) oder als völlige Leere, überströmend von seinem Geheimnis (östliche Religionen) Diese "Anwesenheit" findet sich nun in jener Familie, welche sich gerade danach auf die Suche gemacht hatte. Aber sie ist auch in jener Leere, welche Maria und Josef spürten, als sie glaubten ihr Kind verloren zu haben. An- und Abwesenheit am dritten tage, um auf Ostern voraus zu greifen, begleiten uns jeden Tag und alle, die sich auf die Suche gemacht haben.

Fest der Heiligen Familie (c)

 

So viele Menschen und ein Tempel,
eine menge, die sich bewegt und betet,
Der Strom einer Geschichte die sucht
die ihren Gott suchen, ohne zu wissen,
daß er doch mitten unter ihnen mitwandert.

 

Ein Tempel, der zur gleichen Zeit leer                   und doch überströmend voll ist.
Er füllt sich mit jener menschlichen Suche
nach einem Ganzen, die ganz sicher in diesem Ort wohnt, aber genauso gut auch außerhalb von diesem.

 

Ein tempel, wo wir ein jedesmal
verlieren und wiederfinden:
jenen, den wir schon seit drei Tagen suchen.

 

 (GM/28/12/03)      

Vangelo di Luca  (2,41-52)

41 Die Eltern Jesu gingen jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem. 42 Als er zwölf Jahre alt geworden war, zogen sie wieder hinauf, wie es dem Festbrauch entsprach. 43 Nachdem die Festtage zu Ende waren, machten sie sich auf den Heimweg. Der junge Jesus aber blieb in Jerusalem, ohne daß seine Eltern es merkten. 44 Sie meinten, er sei irgendwo in der Pilgergruppe, und reisten eine Tagesstrecke weit; dann suchten sie ihn bei den Verwandten und Bekannten. 45 Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten ihn dort. 46 Nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel; er saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen. 47 Alle, die ihn hörten, waren erstaunt über sein Verständnis und über seine Antworten. 48 Als seine Eltern ihn sahen, waren sie sehr betroffen, und seine Mutter sagte zu ihm: Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht. 49 Da sagte er zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wußtet ihr nicht, daß ich in dem sein muß, was meinem Vater gehört? 50 Doch sie verstanden nicht, was er damit sagen wollte. 51 Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam. Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen. 52 Jesus aber wuchs heran, und seine Weisheit nahm zu, und er fand Gefallen bei Gott und den Menschen.